2. Arbeitsbericht

Hallihallo!

Unter folgendem Link findet ihr meinen Arbeitsbericht über Dezember bis April, außerdem ein paar coole Bilder von unserer Reise durch Tansania, Sansibar und Kenia!

https://drive.google.com/file/d/0B-CF8ukfAI9UblJJWW4waWtacjg/view?usp=drivesdk

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​Fressen, Saufen, Feiern, fast gleichzeitig einem bettelnden Kind in der Stadt 100 FRW (10ct) verweigern und wie das zu einem Weltwärts-Freiwilligendienst passt

Ja, so krass hört es sich an, aber ist es auch so? Das Folgende soll weder eine Entschuldigung noch eine Rechtfertigung für das Geschehene sein. Es soll eher der Aufarbeitung und dem Hinterfragen dieses Themas dienen, wobei auch ich jetzt noch nicht weiß, wie diese Auseinandersetzung enden wird.

Fangen wir zunächst mit einem wichtigen Punkt des Weltwärts-Freiwilligendienstes an, der wie gemeinhin gedacht nämlich weder Entwicklungsdienst, noch ein „Ich gehe nach Afrika und helfe armen Kindern mit Geld“-Dienst ist (Ich traue mich fast nicht, diesen Satz zu schreiben, da er so vollgepumpt mit Vorurteilen ist).

Der Weltwärts-Freiwilligendienstes ist ein Bildungsprogramm. Ein wichtiges Ziel ist das Voneinander-Lernen, wobei beide Seiten profitieren. Die Menschen vor Ort, mit denen ich in Arbeit und Freizeit in Kontakt komme, lernen einiges über mich oder von mir und ich als Freiwilliger lerne auf jeden Fall sehr, sehr viel von ihnen. Der interkulturelle Austausch kommt dann zwangsläufig auf einer sehr gesunden un persönlichen Ebene zustande, was viele positive Effekte mit sich bringt. Angefangen von kleinsten Dingen, wie kleinen Tipps und Tricks im Haushalt (Kochen und Putzen auf eher konventionelle Art), über den Umgang in alltäglichen Situation (Zeitmanagement, Strafen für Schüler oder Schließen neuer Freundschaften mit Jugendlichen, die eine sehr unterschiedliche kulturell bedingte Erziehung erfahren haben) bis hin zu tiefgehenden Gesprächen über Leben, Politik, Glaube und Werte. Durch das Erfahren so vieler anderer Lebenseinstellungen hinterfragt man auch die eigene natürlich häufiger, aber man wird auch automatisch aufgeschlossener für wieder neue Ansichten in allen Bereichen des Lebens. Seinen Horizont auf so eine Art und Weise erweitern zu dürfen, ist wirklich ein Geschenk, das ich mir schon vor dem Freiwilligendienst gewünscht hatte. In anderen, ein wenig metaphorischen Worten: Die Welt rückt so ein Bisschen enger zusammen.

Ganz klar. Ich stehe im Vertrag mit dem ASC Göttingen und somit auch mit dem Weltwärts-Programm, weshalb es weder Ziel noch Aufgabe von mir hier ist Leuten mein Geld in die Tasche zu stecken. Aber das wäre mir zu einfach gedacht. Da ich ja nicht ein Gefangener eines Vertrages bin, ich noch eigene persönliche Interessen und moralische Werte besitze und auch das Weltwärts-Programm es meines Wissens nach nicht ausdrücklich verbietet, ist die Frage der Geldproblematik also noch nicht beantwortet. Ich lehnte diese Ungleichheit zwischen Arm und Reich immer grundsätzlich ab und kritisierte den Geiz vieler reicher Menschen. Lieber Geld in neue Autos, luxuriösere Urlaube und größere Häuser stecken, als etwas gegen diese Ungleichheit zu unternehmen. Ein Freund inspirierte mich mit einem Spruch: „If you have more than you need, build a longer table, not a higher fence”, worauf Philipp mich gerade darauf hinwies, dass wir seit einigen Monaten einen ordentlichen Stacheldrahtzaun um unser Haus angebracht haben lassen. Was für eine Ironie. Zu meiner Verteidigung: Der Zaun hat seinen guten Grund, denn er soll einen weiteren Einbruch verhindern. Und verständlich finde ich es, sein eigenes Hab und Gut zumindest schützen zu dürfen. Schließlich macht es einen Unterschied, ob ich einen Laptop zum Beispiel einer Schule aus freien Stücken spende oder sich ein Einbrecher nachts Zugang zu unserem Haus verschafft und sich an ebengenanntem bereichert.

Als Teilnehmer des Weltwärts-Programms muss man sich jedoch klarmachen, dass man hier in Ruanda mit unserem Taschengeld als reich gilt. „Verdienen wir doch ohne jegliche Ausbildung oder Qualifikation mehr als ein Durchschnittslehrer“ – ein befreundeter Freiwilliger brachte es mit dieser Aussage neulich auf den Punkt. Nach meinem oben genannten Statement müsste ich in dieser Position als reicher ja etwas gegen die Ungleichheit tun. Oder hat meine neue Situation meine Meinung geändert? Hatte ich sowieso nur die wirklich Reichen gemeint? Oder hat dieser neuerlangte finanzielle Reichtum vielleicht einen Geiz in mir hervorgerufen, der mich davon abhält, einem bettelndem Kind 100 FRW (10ct) zu verwehren. 

Betrachten wir doch einfach mal beide Möglichkeiten. Mein Projektmanager Domy sagte mir auf Nachfrage, aus welchen Verhältnissen die bettelnden Kinder denn kommen, dass es entweder Straßenkinder oder Kinder, die von ihren Eltern nach der Schule in die Innenstadt geschickt werden, sind. Auch schicken Alleinerziehende ihre Kinder manchmal zum Betteln.   Angenommen, man gäbe einem Kind also 100FRW, wäre es um 100 FRW reicher. Was könnte es sich davon leisten, wenn es das Geld nicht vorher den Eltern aushändigen müsse. Wenn es Glück hat, vielleicht ein ganzes Abendessen. Hinzu kommt grundsätzlich die Gewissheit diesen Abend nicht hungern zu müssen, was auf psychischer Ebene nicht vernachlässigt werden darf! Klingt ja super, oder? Was passiert aber nun am nächsten Tag? Das Gleiche. Und am übernächsten? Ebenfalls. Was die Kinder nun daraus lernen ist, wenn sie ein Abendessen brauchen, gehen sie betteln. Und das Tag für Tag. Auch in der Zukunft wird sich mit so einer Einstellung an der Sache nicht viel ändern und ein Job, eine Ausbildung oder ein qualifizierendes Studium wäre schlichtweg undenkbar. „Free money“ nannte es Domy. Freies Geld, das man abgesehen vom Betteln praktisch vom Nichts-Tun bekommt. Ein Business könnte durch diesen Gedanken an freies Geld entstehen, was auf lange Sicht keine Sicherheit bieten kann und Menschen in noch größere Armut fallen können.

Das kurzweilige Glück über diese 100 FRW und das etwaige Abendessen, das damit verbunden wäre, oder die Zukunft, in der sich bei gleichbleibender Einstellung sich so viel ins Negative verändern kann. Was überwiegt nun? Etwas zugespitzt könnte ich so behaupten, dass ich einem Kind, das mich in der Stadt nach 100FRW fragt, die Aussichten auf einen Job in Zukunft verbauen würde, wenn ich ihm das Geld geben würde.

Was ist also aus meiner Ablehnung gegenüber der Ungleichheit zwischen Arm und Reich geworden? Zunächst habe ich festgestellt, dass einem bettelnden Kind die 100 FRW zu verweigern, kein Mittel ist, dieser Bestrebung gerecht zu werden. Es muss also andere Wege geben. Natürlich. Ein Beispiel ist die Ewaka-Foundation, die ich im Rahmen des Zwischenseminars in Jinja-Uganda besucht habe. Hier geht’s zu deren Website von EWAKA.

Spenden jeglicher Art sind hier immer herzlich Willkommen 😉 

Highlife in Kigali

Über gleichzeitiges genießen und kritischem hinterfragen.

Über Luxus, den ich nicht erwartet hatte:

​Ein edles Hemd übergestreift kombiniert mit braunen Lederschuhen und einer äußerst farbenfrohen Hose ging es vor langer Zeit (4-5 Monate sind es bestimmt schon her) in die Jumelage – dem Koordinationsbüro zwischen Ruanda und Rheinland-Pfalz. Eine Delegation aus dem kleinen Bundesland, die zu der Zeit die verschiedenen Projekte des Koordinationsbüros besuchten, mussten natürlich mit einem ordentlichen Empfang willkommen geheißen werden, der an dem Abend in ebengenanntem Büro stattfand. Viele Anzugträger sowie schick gekleidete Damen fanden wir – Philipp und ich – vor, als wir natürlich mal wieder viel zu spät bei der Feier eintrafen. Auch der Innenminister aus Reinland-Pfalz war anwesend und hielt eine Rede, die wir dank unseres angepassten Zeitmanagements leider verpassten. Darunter mischte sich außerdem die Freiwilligenfraktion aus ganz Kigali. Sich auf einen geselligen Abend freuend wurden meine Erwartungen sogar bei weitem übertroffen. Die Bar schenkte aus, was und wie viel man wollte und unzählige ebenfalls sehr schick gekleidete Kellner liefen mit Tabletts durch die Menge, um köstlichste Häppchen an uns loszuwerden. Da sagt man nicht nein und Schwupps! Links ein Fleischspieß ergattert, rechts eine saftige Bratkartoffel, aber Mist! Keine Hand mehr frei! Hinter mir entging mir gerade die erste Nachspeisenfuhre. Zum Glück war es nicht die letzte! So konnten wir auch die superleckeren Erdbeertörtchen sowie Pfannkuchen mit Schokocreme noch kosten. Das ganze umrahmt mit guter Musik, einer traditionell ruandischen Tanzgruppe und einigen Solokünstlern. Was für ein Abend!

Ein weiteres Highlight war ein Jazz Konzert im Serena Hotel. 

Das Hotel, welches zu den Besten in ganz Kigali zählt, veranstaltete ein Konzert der besonderen Art. Natürlich zu spät trafen Philipp und Ich beim Empfang des Hotels ein, um überrascht festzustellen, dass das Konzert tatsächlich pünktlich angefangen hatte. Aber allzu viel hatten wir noch nicht verpasst, also wurden wir zu einer großen Tür im hinteren Teil der Empfangshalle gebracht. Als wir durch die großen und schweren Türen in den Konzertsaal eintraten, bot sich uns eine knisternde Atmosphäre. Zu unserer Verwunderung standen wir in einem modernen und großen Konzertsaal. Auf gesamter Fläche mit Teppichboden ausgelegt wurde er mit modernen Wandkunstwerken geschmückt und in einiger Entfernung sah man ein Ton- und Lichtspektakel. Auf der Bühne war das Konzert nämlich schon in vollem Gange. 

Also verdauten wir schnell unseren ersten überraschten Eindruck, stiegen einige Stufen hinter der Eingangstür hinab und suchten uns einen Platz in den hintersten Reihen des Publikums, das nebenbei zu ca. 75% aus Weißen bestand. Ein Solosaxophonist aus Frankreich brachte an diesem Abend eine einzigartige One-Man-Show auf die Bühne. Jazzmusik aus dem Genre Elektro/Modern – Jazz wurde bis aufs äußerste gereizt. So wurden Jazzmelodien teilweise bis zur Unkenntlichkeit durch Synthesizer verzerrt, durch elektronische Spielchen in eine andere Dimension gehoben oder durch unbeschreibliche Kreativität (ich weiß weder wie so etwas funktioniert noch wie ich es beschreiben soll) in andere Sphären versetzt. Umrahmt wurde die Musik außerdem von unglaublichen Lichteffekten. Nebelschwaden, Blitze oder Laser fusionierten so mit der Musik, dass ich als Zuschauer manchmal sogar die Orientierung verlor und mir nicht mehr Recht klar war, was Guillaume Perret da vorne mit seinem Saxophon anstellte. Da ich selber seit vielen Jahren Saxophon spiele, war mir diese extraordinäre, elektronische Ausreizung der Jazzmusik teilweise ein Bisschen zu viel des Guten. Genießen konnte ich die Show dennoch absolut. Natürlich nicht nur, weil sie kostenlos war, sondern weil ich sie mit einem leicht aufgewühlten aber auch sehr faszinierenden Gefühl erleben durfte. Mein Fazit: Verrückt, was man mit einem Saxophon alles so anstellen kann!

Am 29.10. wurde in die Residenz des deutschen Botschafters geladen. Der Tag der Deutschen Einheit wird auch hier in Ruanda jedes Jahr gefeiert. Wer jetzt gut aufgepasst hat, weiß, dass am 29.10 gar kein Tag der Deutschen Einheit ist. Da es seit Oktober 2016 allerdings einen neuen deutschen Botschafter hier in Ruanda gibt, mussten die Feierlichkeiten wegen des Umzugs ein Bisschen verschoben werden. Als wir an besagtem Abend im frisch maßgeschneidertem Anzug (für 35€) in der Residenz erschienen, staunten wir nicht schlecht.

 Eine deutsche, ruandische und europäische Fahne schmückten den Eingang, an dem uns zunächst der Botschafter höchstpersönlich mit einem Handschlag begrüßte, uns wurde ein Willkommens-Sekt überreicht und wir traten durch das wunderschöne Haus in den Garten hinaus. Einige hundert Gäste waren geladen, die schon gesellig an vielen Stehtischen ihre Small-Talk Gespräche aufgenommen hatten. Politiker, Unternehmer, angesehene Personen und, weil es in Ruanda einfach verhältnismäßig nicht so viele gibt, auch wir deutschen Freiwilligen durften den Abend im Überfluss genießen. 

Beim Schreiben dieser Zeilen drängt mich mein Unterbewusstsein ununterbrochen dazu, eine ethische Beurteilung dieser Erfahrung mit einfließen zu lassen. Schließlich schauen die Lebensumstände einige Kilometer entfernt von diesen Veranstaltungen teilweise komplett anders aus. Wie man das mit seinem Gewissen vereinbaren kann? Ich werde noch einmal drauf zu sprechen kommen. Zunächst setze ich aber fort, indem ich das schildere, was und wie es uns an den Abenden ergangen ist. Es gab an diesem 29. November natürlich Essen. Und was für welches! Minipizzen, Krabben, Fleischspieße, vieles mehr und das Beste: Deutscher Gulasch mit Spätzle. Hier in Ruanda deutsches Essen – ein Genuss! 

Zum Programm der Feierlichkeiten um den ‘Tag der Deutsche Einheit‘ kann ich sagen, dass natürlich eine Rede des neuen Botschafters auf dem Programm stand, gefolgt von der deutschen Nationalhymne, die von einer asiatischen Opernsängerin vorgetragen wurde, Klatschen, weiteren Reden, unteranderem auch von einem ruandischen Minister, und mehr oder weniger wichtige Small-Talk Gespräche zwischen mehr oder weniger wichtigen Persönlichkeiten. Zu den weniger wichtigeren Persönlichkeiten hätte ich dann uns Freiwillige gezählt. Amüsant. Uns Freiwillige nicht diffamieren wollend schreibe ich fast wie von selbst den Anzugträgern eine größere „Wichtigkeit“ zu, wobei ich auf persönlich, moralischer Ebene nie so einen Schluss ziehen würde. Wenn man zum ersten Mal in seinem ganzen Leben sich auf so einer Veranstaltung mit so vielen Leuten – nennen wir sie ‘einflussreich‘ nicht ‘wichtig‘, wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließen muss –wiederfindet, dann lernt man fürs Leben, für die Zukunft. Der Abend, der – wie ich glaube – beispielhaft für eine Zukunft in einem Karrierejob sein kann, lässt mich auch über meine eigene Zukunft nachdenken. Freilich, das Essen war super lecker, aber sonst? 

Eine weitere Veranstaltung dieser Art war die Hoteleröffnung ‘The Hut‘, von der wir von einem Botschaftsmitarbeiter – Max – erfahren hatten. Viel gutes Essen und Getränke, eine Live Band und Smalltalk Gespräche. Waren es in der Residenz noch ein ruandischer Professor und ein deutscher Grünen-Politiker, unterhielten wir uns diesmal mit einer belgischen EU-Abgeordneten über ihre Arbeit und unsere Zukunft. Das Interessante sich auf solchen Veranstaltungen mit Personen zu unterhalten, ist verschiedene, vor allem internationale Berufsfelder kennenzulernen und diese mit den eigenen Interessen zu vergleichen. Will ich so etwas in Zukunft auch mal machen?  

Eine kleine Anekdote von diesem Abend: Zu einem Hotel gehört natürlich ein ordentlicher Pool, den Max an diesem Abend partout nicht ungenutzt lassen wollte. In der Dunkelheit, durch verschiedene bunte Lichter angestrahlt lag der Pool vor uns. Max entledigte sich seines Anzuges und sprang ins Wasser. Handtücher hatten wir natürlich nicht dabei, weswegen wir bei Regenwetter nicht unbedingt völlig durchnässt mit dem Moto heimfahren wollten. Außerdem wussten wir auch nicht, ob das überhaupt gestattet war. Mit einiger Überredungskunst überzeugte Max uns andere Freiwillige aber dann doch. So sprangen wir in den Pool und bereuten unter den leicht verwirrten Blicken der noch übrig gebliebenen Gäste absolut nichts. Wir konnten unser Glück kaum fassen, als ein Hotelmitarbeiter sogar mit Handtüchern ankam. Positiv überrascht beendeten wir unseren kurzen Tauchgang und zogen uns wieder an, um dann auf einen weiteren Hotelmitarbeiter zu treffen, der uns die Rechnung ausstellte. Mist! Egal, wir konnten noch ein Bisschen runterhandeln und hatten ja für Essen und Getränke schon nichts ausgeben müssen.

Auf eine weitere Veranstaltung machte uns wieder Max aufmerksam. Eine Feier der International Travel Agency auf dem Dach des Ubumwe Hotels – welches die schönste Rooftop-Bar in ganz Kigali hat (das ist zumindest meine Einschätzung). Essen, Getränke, ein Gespräch mit einem kongolesischen Öl-Unternehmer und diesmal nur Max und sein Kumpel, die in den Pool sprangen. Außerdem ein verrücktes Gewinnspiel, von dem ich aber nur privat weitererzählen werde. Falls jemand den Blog wirklich liest und sich interessiert, warum Dubai und die deutsche Residenz auch noch einmal erwähnt werden müssten, schreibt mir einfach privat.

Zum Schluss noch ein moralischer Kommentar zu diesem Beitrag, der – wie schon erwähnt – nicht ungeschrieben bleiben will. Er soll besagte Geschehnisse in einem kontrastreichen Kontext beleuchten, das Weltwärts-Programm mit einfließen lassen und sie kritisch beurteilen.

Da dieser Kommentar sich allerdings komplexer als gedacht herausstellte, werde ich ihn noch nachreichen.

Lang, Lang ist’s her!

Ja er lebt noch, der Moritz, im weit entfernten Ruanda. Keiner kann sich wirklich erinnern, wann der letzte Blogeintrag veröffentlicht wurde – zu lange ist das nun her. Wer auf Ausreden steht, für den habe ich hier eine:

Ende November wachte ich an einem Dienstag Morgen auf, begegnete noch schlaftrunken im Wohnzimmer Martha, die sich an dem Morgen gegen 6:00 früh zum Basketballtraining aufmachte. „Wer hatte denn das Fenster offengelassen? Komisch. Wie auch immer.“ Ich schloss es ohne weiter darüber nachzudenken und legte mich noch einmal für eine Stunde hin. Das zweite Mal an diesem Morgen wachte ich dann durch ununterbrochenes, lautstarkes Fluchen auf. Sven war anscheinend mit dem falschen Bein aus dem Bett aufgestanden… Unter das Fluchen mischten sich auch lautstarke Äußerungen über seinen Laptop und ich ahnte nichts Gutes. Um es im Originalton wiederzugeben: „Fu******** mein Laptop ist weg! Der stand genau hier!“. Schnell stand ich auf und ging ins Wohnzimmer, wo Sven auf einen leeren Wohnzimmertisch starrte. Der Wohnzimmertisch, auf dem am Abend vorher noch sein Laptop gestanden war. Anscheinend hatte sich jemand Zugang zu unserem Haus verschafft und bei uns eingebrochen. Ein mitfühlender Schock machte sich in mir breit. Der Laptop war absolut nicht billig gewesen! Nächster Gedanke: „Sven, schau doch mal, ob Dir noch was fehlt“. Die Frage wurde leider im Folgenden mit einem lauten „JA“ beantwortet. Martha oder Philipp kamen auf die Idee, dass wir anderen vielleicht auch einmal nachsehen sollten, ob uns was fehlte. Meinen Rucksack samt Laptop hatte ich am Abend zum Glück in mein Zimmer gestellt. Also sah ich da kurz nach. Als ich aber mein ganzes Zimmer nach dem Rucksack absuchen musste und nichts fand, versuchte ich mir in dem Moment einzureden, dass mein Rucksack doch im Wohnzimmer gestanden hatte. Nein, da war auch nichts. Schei**. Ein absolut – entschuldigt für die Wortwahl, aber sie ist so treffend – beschissenes Gefühl platze in mir und breitete sich in meinem ganzen Kopf blitzschnell aus. Es kam noch schlimmer. Im Laufe des Vormittags hatte ich mich zunächst kurz erholt, musste aber in einigen Abständen neue Verluste feststellen, was mich immer weiter hinunterzog. Neben dem Rucksack und dem Laptop kam noch mein Geldbeutel samt Kreditkarte hinzu, die erst einmal gesperrt werden musste. Versucht einmal in so einer Situation aus Ruanda nach Deutschland anzurufen, um diese blöde Karte zu sperren. Es dauerte einige Versuche aber irgendwann klappte es zum Glück. Nächster Schock: Im Geldbeutel trug ich immer ein Abschiedsgeschenk von Céline bei mir – auch weg. Zum Abitur hatte ich ein Schnitzmesser geschenkt bekommen, was ebenfalls eine persönliche Bedeutung für mich hatte – weg. Dies lag ganz sicher in meinem Zimmer auf einem Stuhl. Kluge Köpfe können nun den Schluss ziehen, was sich in der Nacht neben meinem Bett abgespielt hatte, während ich geschlafen habe. 

Wenigstens haben sie mich nicht aufgeweckt und ich habe eine Story für meinen Blog…

Mit dem Schreiben musste ich dann aber logischerweise noch ein wenig warten.

Jetzt, rund drei Monate später, hatte ich einen superschönen Besuch von Lotte – meiner großen Schwester – und ihrer Freundin Nathi. Den alten Laptop meines Vaters, den sie mir mitbrachten, konnte ich so kurzerhand in Gebrauch nehmen und kann euch nun wieder vermehrt mit Geschichten aus meinem Freiwilligendienst in Ruanda volltexten. Freut euch!

Klein aber fein

Wortwörtlich!

Zunächst das Update zu unseren Katzen:

Am Freitag Abend hat unsere Lady drei gesunde Katzenbabys zur Welt gebracht. Die kleinen purzeln in meinem Klamottenhaufen noch etwas unglücklich übereinander und werden das wahrscheinlich auch die nächsten Tage so weiter führen. Aber ihr Mutter weicht ihnen fast keine Minute von der Seite und kümmert sich gut um sie!

Und nun der Inhalt des heutigen Blogeintrages in visueller Form:
Ein knapp 10 minütiges Video über ein super faszinierendes Land mit spektakulären Bildern und tollen Eindrücken. Wer also einen kleinen Einblick in das Land der tausend Hügel haben möchte, dem Land in dem sich der Moritz ein ganzes Jahr aufhält, dem lege ich diesen ziemlich coolen Film ans Herz!

Moritz
PS: Das mit dem Highlife kommt noch!

Lady!

Unglaubliches ist passiert!

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht zu verkünden! Die schlechte: heute gibt’s keinen Beitrag über Highlife in Kigali. 

Die gute: Unsere Lady hat ein Kind geboren!!! Noch ist es nur ein minikleines Katzenbaby, das in meinem Zimmer auf der herumliegenden Unterwäsche (!) zur Welt gekommen ist, aber ich glaube es kommen noch ein paar hinzu!! (Ein Glück habe ich nicht aufgeräumt, so konnte Philipp noch provisorisch einen kleinen “Wurfplatz“ errichten!)  Die Katze, genannt Lady, lief uns vor einigen Wochen zu, aber auch obwohl ihr Bauch immer dicker und dicker wurde, sind wir gerade wirklich ziemlich überrascht, dass es nun wirklich soweit ist!!

Gespannt, wie viele Babys noch dazu kommen, schreibe ich morgen auf jeden Fall noch ein kurzes Update.

Falls jemand noch Tipps hat oder sich mit Katzengeburten auskennt, wir können jede Hilfe gebrauchen!!

Live von einer Katzengeburt direkt in meinem Zimmer!

Moritz

PS: Gerade jetzt, als ich den Beitrag posten wollte, ist ein zweites Baby hinzugekommen!!!

Esperance

​Meine Empfängerorganisation und gleichzeitig zweite Einsatzstelle heißt Esperance. Mit vollem Namen „Association des Jeunes Sportifs de Kigali“ wurde „Esperance 1996, 2 Jahre nach dem Genozid, von einer Gruppe junger Menschen gegründet, die das Ziel hatten, Fußball als Mittel für eine bessere Zukunft zu nutzen. 2 Jahre nach dem Genozid und auch heute noch hat Ruanda mit den Folgen des Genozids zu kämpfen. Mit Bildungs- und Gemeinschafts-programmen, wie „Fußball für Frieden“, versucht Esperance die ethnische Teilung zu überbrücken. Die Organisation nutzt Fußball nicht nur, um Spannungen in der Gesellschaft abzubauen, sondern auch, um ein Bewusstsein für problematische Themen zu schaffen. So führt sie unter anderem auch Fußballturniere in Verbindung mit AIDS-Aufklärung durch.“ Soweit eine kurze Beschreibung, die ich übrigens zitiere, da ich sie meiner Faulheit geschuldet von Philipp übernommen habe, der sich dafür netterweise einmal die Arbeit gemacht hatte. 

Hier der Link zur Homepage von Esperance.

Bis Ende dieser Woche bestehen unsere Aufgaben zum einen in der Büroarbeit, in der wir einen Newsletter erstellten, kurze Artikel schrieben und Esperance in den sozialen Netzwerken auf dem neusten Stand hielten. Deshalb poste ich zur Zeit auch so viel auf Facebook. Wenn ich euch zu Veranstaltungen oder Seiten einlade, dann nicht mit dem Hintergedanken, dass ihr dann wirklich aus Deutschland eingeflogen kommt und an den Veranstaltungen teilnehmt – auch wenn das natürlich sehr cool wäre, sondern durch „Likes“  und sehr oft geteilte oder kommentierte Inhalte auf den Seiten das Interesse potentieller Sponsoren und Förderer geweckt werden könnte. Bei der Umsetzung jeglicher Art von Projekten geht es nämlich zuerst immer nur um eines: Geld! Weshalb jeder zusätzliche Sponsor oder Förderer hier eine sehr wichtige Rolle spielt. Das heißt: Fleißig „Likes“ oder Kommentare bei von Esperance geposteten Inhalten da lassen! Dankeschön!
Neben der Büroarbeit trainieren wir das U17 Fußballteam von Esperance Montags und Donnerstags sowie das Mädelsteam jeden Dienstag. Bei den Jungs machen entweder Philipp und ich das Aufwärmprogramm, worauf das Haupttraining dann von Sauve (auch Emmanuel genannt) – dem Coach – gehalten wird oder andersherum. Mit 15 Jungs, die wir noch auswählen müssen, haben wir in der nächsten Woche Großes vor. Mit Spendengeldern, die wir in Deutschland eingesammelt hatten, sind wir zur Zeit dabei, ein Auswärtsspiel in Gisenyi im Norden Ruandas zu organisieren. Das wird ein großer Tag für die Jungs aus Kimisagara, denn regelmäßig geschweige denn offizielle Spiele in diesem Alter gibt es noch nicht. Die einzigen Gelegenheiten, das harte Training auf die Probe zu stellen, sind Freundschaftsspiele wie dieses. Noch dazu kommt, dass die wenigsten von ihnen überhaupt schon einmal aus Kigali hinausgekommen sind, was natürlich eine super Erfahrung für sie werden würde. Gegen das U17 Team einer befreundeten Partnerorganisation wird das Freundschaftsspiel voraussichtlich am Freitag in einer Woche, dem 25. November, stattfinden. Allerdings wissen unsere Jungs davon noch nichts, denn sonst – so  wurde uns erzählt – würde sich die Spielweise selbst im Training sehr stark ändern und das Fairplay, das bei uns sehr groß geschrieben wird, wahrscheinlich auf der Strecke bleiben. Denn jeder aus dem Team möchte natürlich die Möglichkeit bekommen, bei dem Auswärtspiel so weit weg von Zuhause dabei zu sein.

Ein weiteres Projekt, das zwar nicht von uns Freiwilligen organisiert wird, wir allerdings involviert sein werden, nennt sich „Streetfootballworld East Africa Festival“. Bei dem Event kommen über 250 10-15 Jährige, meist aus benachteiligten Verhältnissen stammende Kinder aus ganz Ostafrika zusammen, um durch den Fußball verschiedene „Lifeskills“ zu erlernen und zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel Themen wie gewaltfreie Konfliktlösung, das Bewusstsein über Hygiene und Wasser oder der interkulturelle Austausch. Vom 4. bis zum 10. Dezember wird das Festival mit Kindern aus über acht Ländern im SOS Kinderdorf Kigali stattfinden. Hier noch der Link zum Event:

Streetfootballworld East Africa Festival

Eine Stufe größer geht immer! Vor ungefähr vier Wochen wurde Esperance zu einem Meeting im Amahoro Stadion eingeladen. Durch befreundete Freiwillige, die zusammen mit einem französischem Freiwilligen, der beim Nationalen Olympischen Komitee in Ruanda arbeitet, diese Veranstaltung ins Leben gerufen haben, hatten Philipp und ich erst näheres über diese große Idee erfahren. Also sind wir beide zusammen mit Domy zu dem sehr eindrucksvollen und produktiven ersten Meeting gegangen. Und nun? Vier Woche und ein weiteres Meeting später sind die Hauptorganisatoren – das Nationale Olympische Komitee und die Root Foundation, bei der besagte befreundete Freiwillige arbeiten, zusammen mit mehreren anderen Organisation unteranderem eben auch Esperance dabei, ein Sportfest für über eintausend (!) benachteiligte Kinder im National Stadion zu organisieren. Am 17. Dezember wird es soweit sein, wenn über eintausend Kinder an verschiedensten Sportworkshops und anderen Aktivitäten beim “Childrens Sports day“ teilnehmen dürfen. Dieses Sportfest werden die Kinder nie vergessen! Falls es ein Erfolg werden sollte – und davon gehen wir alle Beteiligten aus – kann es sogar sein, dass dieses Fest wiederholt werden oder sogar regelmäßig stattfinden könnte. Ich bin gespannt.

Link zur Facebookveranstaltung:

Childrens Sports Day

Nun noch ein letzter Teil zu meiner jetzigen Arbeit. Wie ich schon gesagt hatte, sind auch die Nationalen Examen nun vorbei und die Ferien haben jetzt richtig angefangen. Das bedeutet für Philipp und mich, dass wir ab Montag jeden Tag sehr viel zutun haben werden. Wie in der Schule werden wir sowohl Englischstunden als auch Sport bzw. hauptsächlich Fußballtraining geben. Es wird eine anstrengende aber auch schöen Zeit werden!

Um die anstrengende aber natürlich auch schöne Arbeit etwas zu erleichtern, planen wir zur Zeit unseren Weihnachts – und Silvesterurlaub. Es soll Richtung und Tansania und Sansibar gehen… vielleicht auch noch weiter!

Das war er nun, mein Arbeitsbericht Teil 2/2.

Liebe Grüße nach Würzburg! 🙂

Euer Moritz

PS: Morgen geht’s um Highlife in Kigali! 

Work Work Work 1/2

​In meinem Beitrag heute geht es zur Abwechslung mal nicht um irgendwelche Erfahrungen und Erlebnisse, sondern ganz sachlich um das, was ich hier in Ruanda überhaupt machen sollte. Nämlich arbeiten! Das heißt, nun folgt hauptsächlich eine ausführliche Beschreibung meiner Arbeitsstellen sowie meiner Aufgaben. Ich arbeite hier in Kigali bei 2 Projekten. Esperance, die Empfängerorganisation von Philipp und mir auf der einen Seite, G.S. Kimisagara auf der anderen. Beginnen wir mit letzterer:

G.S. Kimisagara – ausgeschrieben Groupe Scolaire Kimisagara bedeutet übersetzt Schulzentrum Kimisagara. 2 Minuten Fußweg von unserem Haus entfernt  befindet sich die Schule, die sich aus einer Nursery School (Vorschule), einer Primary School (1.-6. Klasse)und einer Secondary School (in Kimisagara 7.-9. Klasse) zusammensetzt.

Auf dem Bild sieht man praktisch meinen gesamte Arbeitsplatz. Im Mittelpunkt liegt der von der FIFA 2012 gestifteteFußballplatz von Esperance. Den Kimisagara Football for Hope Center (Kffch) bildet er zusammen mit dem Gebäude rechter Hand, in dem sich ein großes Büro, Umkleideräume, eine Bibliothek, die Philipp und mein Büro darstellt, und ein großer Raum, der Möglichkeit für Tanz, Workshops, Fitnessprogramme und vieles mehr bildet. Umgeben ist der Kffhc von der G.S. Kimisagara. Direkt oberhalb des Fußballplatzes befinden sich unter dem blauen Dach die Klassenräume der Secondary School. Auch das rote Dach links daneben sowie das noch weiter links im rechten Winkel befindliche Gebäude gehört noch zur Secondary School. In der zweiten Reihe oberhalb des Platzes befinden sich die Klassenräume der Primary School. Am rechten Bildrand setzen sich diese inklusive dem Büro der Direktorin und dem Lehrerzimmer fort.
 Insgesamt ungefähr 4000 Schüler gehen hier zur Schule, wobei die Kapazitäten nicht ganz ausreichen, um 4000 Schüler aufeinmal zu unterrichten. Deshalb werden die Schüler der Primary aufgeteilt und es kommt die eine Hälfte am Vormittag, die andere Hälfte am Nachmittag zum Unterricht. Relevanter für Philipp und mich ist allerdings die Secondary School, denn hier unterrichten wir.  Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase vor drei Monaten gab mir Mister Claudien – Englischlehrer aller 7.Klassen – Klasse S1B und S1C. Von da an sollte ich also jeden Tag meinen eigenen Englischunterricht geben, wobei ich wenigstens Hilfe von einem Lehrplan und einem Buch über die Geschichte Ruandas bekam. Mein erstes Thema lautete nämlich „History of Rwanda“, womit ich meine beiden Klassen einige Wochen beschäftigen konnte und das Thema sogar mit einem kleinen Test abschließen musste. Die Kommunikation stellte sich dabei als nicht ganz so einfach heraus. Bei einigen Schülern beschränkt sich die englische Sprache nämlich auf wenige gestammelte Sätze. Dennoch lief der Unterricht bisher eigentlich immer ganz rund. Die Vorbereitung der Stunden ist dabei der anstrengendere Part, denn hierbei kreativ zu werden gelingt mir leider nicht immer. Dennoch gab es schon einige schöne Momente. Als Ich zum Beipiel zur relativ einfachen Veranschaulichung von Konjunktionen zwei freiwilige Schüler vor die Klasse bat. Die eine vor der ganzen Klasse ein Lied auf Kinyarwanda singend, der andere aus dem Nichts eine kleine Tanzchoreo performend heiterte die Grammatikstunde auf alle Fälle ein bisschen auf!  Am 5.Oktober fand in ganz Ruanda der „Teachers-Day“ statt. Wie ich es mir vorstellte, war es sozusagen ein Lehrerwandertag. Nachdem wir wegen einigen Missverständnissen mit der Hinfahrt mit dem Bus ca. eineinhalb Stunden zu spät kamen, wunderte ich mich, dass wir trotzdem noch mit zu den ersten zählten. An die berüchtigte „African-Time“ muss auch ich mich wohl oder übel gewöhnen. In einem sehr schönen Garten mit einem tollen Ausblick eines Gästehauses ein bisschen außerhalb von Kigali feierten die Lehrer mehrer Schulen unseres Districts den Teachers-Day. Insgesamt über 100 Lehrer nahmen an der Veranstaltun teil und wir lauschten zunächst knapp zwei Stunden Reden von Deligierten des Districts über Bildung und Finanzierungen der Schulen  – wirklich äußerst spannend, wenn man fast kein einziges Wort versteht! Der interessante Teil folgte darauf: Es gab Essen! Saftiges Hühnchen mit gebratenen Kartoffeln und Mayoniase. Der Haken dabei – das Essen hatte ansonsten wirklich gut geschmeckt – war allerdings, dass als das Essen endlich kam, das Besteck fehlte. Kein Fehler der Bedienungen, sondern ganz normal hier, Chicken mit der Hand zu Essen, was sich für Philipp als ganz schöne Herausforderung darstellte. Zunächst musste man eine geeignete Stelle ausfindig machen, an der sich mehr Fleisch als Knochen befand, daraufhin musste man ca. drei Knochen des Hünchens brechen, um dann, wenn man sich dabei noch nicht beckleckert hatte, vorsichtig mit dem Mund das kleine Stück Fleisch mit den Zähnen abnagen ohne komplett neben den ganzen äußerst schick gekleideten Lehrern aufzufallen. Es dauert ein bisschen länger, aber wie schon gesagt schmeckte es sehr lecker! Nach weiteren Reden und einer Lehrernominierung fing dann der gemütliche Teil der Veranstaltung an: Zusammen mit anderen wichtigen Persönlichkeiten des Bildungsministeriums eröffnete unsere Direktorin die Tanzfläche, zu der sich auch die anderen Lehrer freudig aufmachten. Es war übrigens gerade erst mal 14:00 Uhr am Nachmittag. Nachdem leider starker Regen eingesetzt hatte, gab es nur noch ein paar Reden, durch die der Lehrerwandertag für beendet erklärt worden war! 

Der freie Tag war gleichzeitig auch die Möglichkeit, ein letztes Mal nochmal Kraft und Motivation zu tanken bevor in einer Woche die Examen anfangen würden, die übrigens offiziell bis heute angedauert hatten. Hier bestand unsere Aufgabe darin, täglich zweimal ca. 2-3 Stunden  Aufsicht bei den Prüfungen zu halten. Mit dem ein oder anderen – oder auch beiden – zugedrückten Augen übersah man dann blöderweise Situationen, in denen einige Schüler bei ihrem Nachbarn sicherstellten, dass er seinen Namen richtig geschrieben hätte. Anders kann ich mir das ständige Hin-und Herdrehen der Köpfe einiger Schüler nicht erklären.. Zu meiner Verteidigung: Ich komme selbst gerade erst aus der Schule und weiß (natürlich nur aus Erzählungen) wie das mit dem Spicken so ist… in der Hinsicht bin ich einfach noch mehr Schüler als Lehrer. Aber vielleicht ändert sich das ja im Laufe des Jahres. Die Examen waren dann auch irgendwann vorbei und was steht danach für die Lehrer an? Genau, das Korrigieren, um das Philipp und ich uns auch nicht drücken konnten – aber auch nicht wollten. Das bedeutete 120 Prüfungen innerhalb einer Woche zu korrigieren… Bis spät in die Nacht hinein habe ich in der Woche öfter nachvollziehen können, wie anstrengend doch dieser Beruf sein kann. So effizient und schnell wie meine Lehrer das noch vor wenigen Monaten mit meinen eigenen Prüfungen gemacht hatten, war ich allerdings noch nicht (Schöne Grüße an der Stelle an meine ehemaligen Lehrer! Von einigen hab ich sogar gehört, dass sie meinen Blog verfolgen!). Pünktlich hatten wir am Freitag Vormittag dennoch die Ergebnisse aller Schüler. Der Zeugnistag schloss sich eine Woche später an, wovon wir ungefähr dreißig Minuten vorher erfuhren. Aber schon in der ersten Nachricht über die Zusage meiner Einsatzstelle in Ruanda hieß es, wir sollen flexibel sein. Gesagt, getan. Der Tag verlief ähnlich wie der Teachers-Day mit vielen Reden auf Kinyarwanda, Chicken, das wir mit Händen aßen und dem Eröffnen der Tanzfläche durch unsere Direktorin! In den letzten 2 Wochen waren dann noch die “National-Exams“, in denen wir allerdings keine Aufsicht mehr halten mussten. Was bedeutet, dass die Ferien ab morgen endgültig anfangen werden! Bis Januar/Februar bleibt die Schule nun geschlossen!
Morgen werde ich dann von meiner zweiten Einsatzstelle – Esperance – berichten.  Ab Morgen bzw. Montag fängt das Ferien-Programm an, über das wir erst morgen letzte Infos erhalten.
Bis dahin!  

Heute liebe Grüße nach Bodelsberg im Allgäu an einen Leser, der sogar Ärger seines Chefs in Kauf nimmt, da er zu spät zur Arbeit kommt, nur, weil er meinen Blog täglich verfolgt! Danke dafür!
Euer Moritz

Endlich Raus!

Endlich raus! Raus aus Kigali! Raus aus Kimisagara! Raus aus der lärmenden Großstadt! Am 28. September, Mittwoch nach der Wanderung auf den Mount Jali, würden wir noch im Rahmen des Einführungsseminars das Erste Mal die Möglichkeit bekommen ein bisschen mehr  von Ruanda zu sehen als nur Kigali. Relativ pünktlich gegen 9:00 Uhr startete der Bus in die „Northern Province“ nach Musanze. Bevor ich euch davon erzählen will, möche ich noch kurz erklären, warum ich endlich mal aus Kigali hinaus wollte. Unser Haus steht in einem wie schon mehrmals erwähnt relativ armen Viertel – Kimisagara – ca. 30 Meter unterhalb der geteerten Hauptverkehrsstraße und umringt von sage und schreibe gefühlten 10 Bars. Eine ist ganze 5 Meter von unserem Tor entfernt, eine andere 20 Meter unterhalb, ein Nachtclub ungefähr in 200 Meter Entfernung. Ich würde nicht sagen, dass ich Ich mich in Deutschland als lärmempfindlich eingeschätzt hätte, wobei ich ja dort schon mitten in der Innenstadt wohnte – auch wenn man das absolut nicht vergleichen kann, jedoch wurde ich zumindest in den ersten Tagen eines besseren belehrt.  In den ersten Tagen im neuen Haus wurde ich pünktlich um kurz vor 5 durch den Muezin aus der nahegelegenen Moschee geweckt. Wenn ich dann das Glück hatte und noch einmal einschlief, wurde ich praktisch als Bestrafung um 5 nicht aufgestanden zu sein, ab 6 Uhr von unseren Nachbarn geweckt. Der unglaubliche Ausblick aus meinem Zimmer beschränkt sich auf einen ca. 1m breiten Gang, auf dessen anderen Ende sich eine Mauer befindet. Und genau auf diesem Gang fangen unsere Nachbarn zu jener morgendlichen Stunde fast täglich  an, sowohl lautstark zu Singen, als auch zu kochen und abwzuwaschen. Manchmal machen sie das auch alles gleichzeitig und das hört sich dann so an, als würde eine schlechte Immitation  eines amerikanischen Popstar mit seinem lauthals lachenden Freund mit Porzelantellern Frisbee spielen, wobei jeder zweite Teller an meiner Zimmerwand  zerschellen würde, weswegen sie nur noch mehr lachen müssen. Ok, das war mal wieder übertrieben!  Laut singen und kochen tun sie so früh morgens aber wirklich, weshalb man dann nach 30 minütigem Gedankenringen, ob der Gesang nicht doch noch als Einschlafmusik verarbeitet werden kann, wohl oder übel aufstehen muss.  Das Frühstück wird dann meistens im Shop auf der anderen Seite der Straße geholt. Busse, Motos, Lastwagen und auch viele alte aber auch einige neue Autos sind auch zu früher Stunde schon unterwegs, wobei  vor allem der Lärm der Riesenlaster fast wie Musik in meinen müden Ohren ist. Was für ein verwöhnter Junge.. dieser Moritz! Die Arbeit verläuft dann natürlich als jahrelang ausgebildeter Lehrer und Pädagoge natürlich auch immer ganz sanft und ruhig, denn was sind schon 50 nahezu diszplinierte Kinder in einem Raum. Nach dem Abendessen, wenn man sich schon ein wenig früher ins Zimmer verkrochen hatte, um sich auszuruhen, hatte man dann leider wieder vergessen, dass ja heute Premiere League ist. Beim Stadtderby in Manchester würden sich die Bars, die unser Haus sozusagen umringen, wieder zu Hochburgen ruandischer Fußballfans  verwandeln. Das englische Topspiel würde mir also den Abenden mit lautstarkem Gebrülle und Geklatsche der Anhänger von ManU und ManCity versüßen. Neben dem akustischen Spektakel – man fühlt sich durch die Surround-Bar-Beschallung fast wie im Stadion  –  kam auch noch der Duft des Abendessens der Nachbarn in mein Zimmer geschlichen. Einschlafen konnte ich bis jetzt erstunlicherweise jedoch immer ohne Probleme.  Auch in der Nacht machten mich noch keine Zwischenfälle wach, die jedoch allen traurigen Grund hätten. Da wir sowieso ganz schön abschweifen, hier noch eine letzte Geschichte von vor einer Woche, die Job uns an einem Morgen nach einer anscheinend sehr gewaltsamen Nacht  erzählte. Vier Diebe sind demnach in der Nacht unterwegs gewesen und hatten einer Frau zwei Handys gestohlen, worauf die Übeltäter sofort die Flucht ergriffen. Da allerdings die Local Security gerade in der Gegend unterwegs war, verfolgten gleich sechs Männer in Uniform mit einem Holzstock bewaffnet die Diebe – zum großen Nachteil des Langsamsten… An der Stelle möchte ich kurz von der sonst eher leicht ironischen Schreibweise betont  abweichen und mit vollem Ernst -selbst noch schockiert-  das Folgende schildern. Nachdem die Männer der Local Security einen der Diebe gefasst hatten, wurde er solange mit den Holzstöcken verprügelt bis vier der Stöcke zerbrachen. Job, der zu dem Zeitpunkt von den Schreien vor unserem Tor geweckt wurde, konnte auch nichts mehr für den Mann tun ohne selbst in Gefahr zu geraten. Der Dieb, ich weiß nicht wie schlimm sein Zustand nun ist, wurde mit zur Wache genommen. Die nicht seltene  Brutalität nach Verbrechen schockiert mich immer noch. Dennoch zählt Ruanda hier in Ostafrika als sehr sehr sicheres Land, wovon ich mich auch schon selbst oft genug überzeugen konnte. Local Securities oder auch schwerst befaffnete Soldaten, für die hier in Ruanda Unmengen an Geld ausgegeben wird, sind fester Bestand des Stadtbilds in Kigali und hat man sich mal an sie geöhnt, strahlen die meist sehr kräftigen und hochgewachsenen, bis unter die Zähne bewaffneten Soldaten nicht nur Furcht sondern auch ein bisschen Sicherheit aus. Das gehört hier in Kigali einfach dazu.
Nun kommen wir aber wirklich zu Musanze! Die 2 Stündige Fahrt durch eine traumhafte Landschaft an immer enger zusammenrückenden Tälern und Hügeln im Norden Ruandas, welche geschmückt von sogennanten Terrassen den Ackerbau der dortigen Feldarbeiter eindrucksvoll zeigte, ließ keine Wünsche an einem interessanten und superschönen Landschaftsbild offen.

 Dort auf einem verhältnismäßig flachen Gebiet angekommen erstreckte sich Musanze. Die knapp 90.000 Einwohner große und sehr hoch gelegene Stadt lag im Vordergrund eines weiteren Highlights: die Vulkane an der Grenze zur DR Kongo und Uganda. Ich dachte eigentlich, ich weiß durch viele Besuche der Alpen, wie hohe Berge aussehen, jedoch strahlten sie im Hinterkopf den Ganzen Trubel aus Kigali eine extreme Ruhe und Entspannung aus, weswegen ich am Liebsten nicht wieder zurückfahren wollte. 

Auch durch die nicht komplett überfüllten Straßen  zu laufen war die purste Erholung für mich und meine Ohren. Hinzu kam ein kurzer Besuch in einer Kirche, die gerade  renoviert wurde. Erstaunlich, wie leise es auf einer so voll besetzten Baustelle sein kann. Vielleicht lag es an der so unglaublich beruhigenden Ausstrahlung der (übrigens inaktiven) Vulkane im Hintergrund.

 Hier im Vulcano-Nationalpark kann man das in der ganzen Welt bekannte (und deswegen leider sündhaft teuren) Gorilla-Trekking machen. Wie weit ich den Nationalpark, dessen größter Vulkan – Mount Karisimbi – 4507 Meter hoch ist, noch besuchen werden, steht noch nicht fest. Ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten! Um aber wieder wenigstens ein bisschen Trubel hineinzurbingen gingen wir vor unserer Rückfahrt noch auf den Markt, auf dem Philipp und Ich uns traditionellen Stoff kauften, aus dem wir uns Hosen schneidern lassen wollten.

 Das letzte Highlight des Tages war der Ausblick auf der Heimfahrt kurz vor Kigali. Wie in ein Meer aus Sternen fuhren wir wieder zurück nach Kigali, meiner neuen Heimat! 

Das war also der Trip nach Musanze! Danke, dass ihr euch meine Geschichte durchgelesen habt, in der es doch eigentlich nur darum ging, dass es in Kigali sehr laut und in Musanze sehr leise war! Mittlerweile macht mir übrigens der ganze Trubel eigentlich nicht mehr so viel aus, wie noch vor eineinhalb Monaten.. bin ja auch schon über drei Monate hier!

Es geht weiter:

Der nächste Tag war ebenfalls noch im Rahmen des Seminars. Gestern hatten wir, bestehend aus vier Artefact-Frewilligen, Domy, Philipp und mir, Clara zu ihrer Einsatzstelle nach Musanze begleitet. Heute waren zwei weitere dran, zu ihrer Einsatzstelle in Ngarama (Eastern Province) begleitet zu werden. Aufgeteilt in zwei Gruppen fuhren drei Artefact Frewillige mit Victor, dem Präsidenten von Esperance, und Job auf dem voll mit Möbeln bepackten Pick-Up und Domy, Philipp und ich zunächst mit dem Bus Richtung Osten. Die 4-5 stündige Fahrt würde für uns „Busfahrer“ zunächst im Bus später im Pick-Up erfolgen. Nach guten drei Stunden Busfahrt durch eine flacher werdende Landschaft, vorbei an einem großen See – Lake Muhazi – und weiteren schönen Landschaftseindrücken trafen wir an einer Bushaltestelle im Nirgendwo die anderen mit ihrem Pick-Up.

 Von dort an ging es zu acht im Pick Up weiter. Im (!)Pick-Up ist dabei gar nicht ganz richtig, denn Job erklärte sich bereit, sich ein Platz auf der mit Schränken, Tischen und anderem Krimskrams voll bepackten Ladefläche zu suchen.  

Wie er die nächsten 45 Minuten über eine Sandpiste mit jede Menge Schlaglöchern und Unebenheiten überlebt hatte, ist mir immer noch ein Rätsel. Im Gegensatz zu Jobs Position hatten wir in der nächsten dreiviertel Stunde einen angenhmen safriähnlichen Trip durch kleine Dörfer, riesige Reisfelder und vorbei an Kühen und Ochsen mit riesigen, geschwungenen Hörnern. Nach jedem tieferen Schlagloch oder Hüpfer des Pick-Ups stellten wir sicher, ob es Job noch gut ginge. Von ihm kam meistens aber einfach nur ein kurzer Aufschrei oder ein Lachen, was uns sagte, ihm ginge es noch gut.

 Angekommen in Ngarama fanden wir nächst eine unglaubliche Stille vor. Ich habe geschrieben, dass es in der 90.000 Einwohner Stadt Musanze ruhig gewesen war. Hier in Ngarama mit vielleicht 2000 Einwohnern herrschte aber bis auf lange nicht gehörtes Vogelzwitschern absolute Stille. Das Haus der beiden Freiwilligen war Teil einer Schwesternschaft am Rande der kleinen Stadt. Auf ihrem abgelegenen Gelände empfingen sie uns herzlich mit einem unerwarteten Buffet zum Mittagessen, das wunderschön geschmückt und hergerichtet war. 

Nach dem köstlichen Essen ging es zu angrenzenden Schule, die sich ebenfalls auf dem Gelände befand. Hier wurden wir in einem Klassenraum von ungefähr 70 Kindern mit Gesängen und einer Rede empfangen. Uns erwartete nach einer kurzen Vorstellunsrunde sogar noch ein kleines Programm: Tradtionelle Tänze, bei denen wir auf einmal vor der geamten Klasse zum mittanzen aufgefordert wurden sowie ein Theaterstück waren Teil der Vorstellung der Schule. 

Da wir nicht so viel Zeit hatten, mussten wir nach dem kurzen Schulbesuch auch schon weiter zu der Stelle der Kleinstadt, an der sie der Legende nach ihren Namen bekommen hat. Der Rock of Ngarama (Die Legende erzähl ich auf Nachfrage!). Ein durchgehender, riesiger Felsen, der den höchsten Punkt der Stadt bildete. Durch Wassereinlagerungen kann das Plateu sogar an manchen Stellen als natürliche Trommel verwendet werden, was wir natürlich gleich nutzten, um mit einem großen Stein unsere nahezu virtuosenähnlichen Trommelkünste zu beweisen! Viele Bilder wurden geschossen, denn man hatte einen wunderschönen 360 Grad Rundblick. Im Westen erstreckten sich die großen Hügel, die Richtung Hauptstadt führten, und im Osten wurde es flacher und flacher. 

Der Höhepunkt des Tages schloss sich allerdings erst noch an. Für die Rückfahrt hatte Domy extra Kissen und Decken mit eingepackt, dessen Nutzen wir nun feststellten. Die Rückfahrt verbrachten nämlich Job, Philipp, Jost (ein Frewilliger von Artefact) und ich auf der Ladefläche. Die Kissen und Decken sollten die holprige Fahrt ein bisschen dämpfen, was echt gut klappte und sich die Rückfahrt so zu einem sehr sehr entspannten Trip zurück nach Kigali entwickelte. Auf der riesigen Reisplantage machten wir kurz halt um Zuckerrohr zu kaufen, das hier sozusagen als Süßigkeit gilt. Ein ziemlich festes Rohr, dessen Schale man mit den Zähnen zu entfernen versucht, um auf dem wirklich sehr süßen Inneren rumzukauen nur um alles danach wieder auszuspucken. Es war wirklich lecker!

Was für ein Spaß es war im Sonnenuntergang auf einer holprigen Sandpiste mitten im Nichts von Ruanda hinten auf der Ladefläche eines Pick-Ups zu sitzen, den Fahrtwind im Gesicht zu spüren, die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages zu genießen und dieses megasüße Zuckerrohr zu essen. Was für ein Erlebnis!!!
Das war Beitrag 2/7. Morgen werde ich darüber berichten, dass wir nicht nur Ausflüge machen, sondern auch arbeiten können. In diesem Sinne:

Nahejo – Bis Morgen!

Wie man sich gegen einen Leoparden verteidigt

Heute ist der 4.11.2016. November. Rot und gelb-leuchtende Blätter schmücken die Bäume, Sonnenstrahlen unternehmen letzte Versuche die kürzer gewordenen Tage noch einmal aufzuwärmen und auf den von Kastanien und nassem Laub bedeckten Straßen läuft man nur noch mit dicken Mänteln von Haus zu Haus. Auch im Ossecker Stadion beim Training werden von Markus (meinem Trainer) nun keine kurzen Hosen mehr gestattet! Es ist zu kalt! Der Herbst ist da! Hat man nicht das Glück, die letzten Sonnenstrahlen nochmal genießen zu können, muss man sich mit tagelangem Dauerregen, heftigem Wind und viel zu tiefen Temperaturen rumschlagen. Spätestens mit dem Start der Hofer Filmtage, merkt man nun, dass man sich hier in Hof endgültig auf die kalte Jahreszeit einstellen muss. 
Aber halt! Irgendwas war doch.. Ich bin ja in Ruanda! Bei uns ist wettertechnisch noch alles beim Alten.  Nach wie vor zeigt das Thermometer durschnittlich 26°C an, letzte Woche hatte ich mir meinen ersten Sonnenbrand geholt und von der Regenzeit hätte ich auch mehr erwartet … soviel zum Wetter. Die Geschichten über diesen sogenannten Herbst hörte ich nur von Erzählungen aus der fernen Heimat, in der es vielleicht noch ein paar Menschen gibt, die sich dafür interessieren, was denn der Moritz in den letzten Wochen so in Ruanda getrieben hat. Denn lange habe ich mich nicht mehr gemeldet und man mag es kaum glauben, aber es ist wieder unglaublich viel passiert. Alles noch einmal Revue passieren zu lassen ist deshalb gar nicht so einfach. Ich versuchs natürlich trotzdem!

Fangen wir also mit der schon angekündigten Geschichte und den Bildern von der Wanderung auf den Mount Jali an!

Es war ein warmer Sonntagmorgen an dem Philipp, zwei andere deutsche Freiwillige und Ich uns aufmachten, um den 1833m hohen Mount Jali zu erklimmen. 

Glücklicherweise konnte uns ein Freund von Job mit einem erstaunlicherweise sehr neuen und sauberen Auto aus Kimisagara abholen und raus aus dem Trubel der Großstadt an den Fuße des Hügels schaffen. In einem weniger dicht besiedelten, ländlichen Dorf begannen wir unsere Wanderung auf einer roten Sandpiste. Ausgestattet mit der Information, dass uns irgendwo ein „Guide“ treffen und uns den Berg hinaufführen würde, den Funkmasten auf dem Gipfel im Blick und hoffentlich genug Wasser in den Rucksäcken ging es einfach immmer der Nase nach bergauf. Die erste Herausforderung war dabei, ersteinmal den Weg aus dem Dorf hinaus zu finden. Vorbei an „abazungu“ (Plural von muzungu: Weißer) schreienden Kindern, einer renovierungsbedürftigen Kirche und einem auf einer einsamen Wiese singenden Kirchenchor, der dem Beginn der Wanderung eine sehr beruhigende Atmosphäre verlieh, ging es quer durchs Dorf. 

Bis auf einmal hinter uns ein kleiner Mann  auftauchte, der uns sein Handy ans Ohr hielt. Job’s Stimme zu hören, war also dann das Zeichen, dass der Mann mit dem Handy und den alten Kleidern unser Guide sein würde. Er konnte natürlich kein Englisch, war aber umso mehr ein Meister der Zeichensprache, wie sich später noch herausstellte. Von singenden Vögeln begleitet (die es in Kigali so gut wie nicht gibt), führte er uns also durch eine kleine Minischlucht aus dem gemütlichen Dorf hinaus. 

Über schmale Wege ging es steil bergauf. Wobei man sagen muss, dass diese Wege nicht mit offiziellen, ausgeschilderten Wegen aus Deutschland vergleichbar sind. Natürlich nicht. Jedoch erstaunte mich der Pfad dann doch, der die meiste Zeit ohne Kurven nur schnurstracks geradeaus ging. Geradeaus und vor allem steil bergauf. 

Auch wenn die morgendliche Sonne sich noch hinter ein paar Wolken versteckte, kamen wir Höhenmeter für Höhenmeter mehr ins Schwitzen. Nun machte sich auch das Talent unseres Guides bemerkbar, als er uns zunächst von einer Fußstapfen eines früheren Königs aus Ruanda, der hier ebenfalls vor langer Zeit einmal auf dem Mount Jali war, erzählte (Ungefähr so hab ich mir die Geschichte später zusammengereimt) und uns darauf erklärte, wie man die Leoparden, die es hier seiner Meinung nach ganz sicher geben würde, abwehren kann:
1. Man nehme einen 30cm langen, 1cm dünnen Ast in die rechte Hand

2. In die Linke einen ca. 100g schweren Stein

3. Mit diesen gefährlichen Waffe ausgesttatet geht man in geduckte  Verteidigungsstellung

4. Man tritt dem Leoparden todesmutig von Angesicht zu Angesicht gegenüber

5. Nun wirft man den Stein in Richtung des Leopards (Damit man auch wirklich die volle Aufmerksamkeit des Raubtiers erhält)

6. Den nahezu unzerbrechlichen Ast benutzt man nun, um den Leopard mit flinken, gezielten Stichen kampfunfähig zu machen

7. Du hast gerade einen Leoparden besiegt! Jetzt trotzdem lieber schnell weg!

8. [Anmerkung der Redaktion]: Im Ernstfall vielleicht doch eher auf diese Methode verzichten und auf die genauso hoffnungslose „Lauf so schnell du kannst“ Variante ausweichen! Viel Glück dabei!
Ok, aufgrund der sprachlichen Barriere und den nicht ganz präzisen Pantomimekünsten des Guides ließ seine Erklärung einigen Interpretationsfreiraum. Aber das wäre doch eine plausible Erklärung gewesen!

Weiter im Text. Es ging weiter zum Rand einer tiefen Schlucht, die an und für sich schon ein Fotowert wa,  von der man allerdings uch noch die höchsten Gebäude Kigalis und ein schönes Panorama  über Ruandas tausend Hügel erblicken konnte. Möglichkeiten, Erinnerungsfotos zu schießen, gab es hier genug. 

Nachdem unser kleines Fotoshooting nicht ganz unentdeckt blieb, schlossen sich zunächst dem Shooting, später der Wanderung, 4 kleine Kinder und ein Jugendlicher, der sogar ein bisschen Englisch sprechen konnte, an. Anscheinend waren sie auch irgendwie mit dem Guide verwandt, denn sie führten uns nun einige hundert Meter weiter steil den Berg hinauf, um uns zu einem der einzigen 3 Häuser zu führen, die an dem steilen Hang erbaut wurden. Hier angekommen, lud er uns in sein bescheidenes Heim ein. 

Nachdem wir in das Haus eintraten, sahen wir, dass seine Lehmhütte aus zwei ca. Sechs Quadratmeter großen Zimmern bestand. Wobei das erste Ess-, Wohn- und Empfangszimmer ausgestattet mit einer kleinen, wackligen Holzbank, einem ein bisschen stabileren, kleinen und alten Holztisch und das hintere das Schlafzimmer darstellen sollte. Bei diesem Anblick eines aus meiner Sicht wirklich super super kleinen und bescheidenen Lehmhauses  wurde mir erneut bewusst, wie krass doch die Armut in den abseits der Zivilisation gelegen Gegenden ausgeprägt ist. Als starken Kontrast konnte man die kurz vorher in der Ferne erspähte Innenstadt von Kigali nehmen, die, wie ich immer wieder feststelle, sämtliche  Klischees, wie man sich eine Großstadt in Ostafrika vorstellen würde, sprengt: moderne Hochhäuser, gut ausgebaute Straßen und vor allem ein sauberes und extrem gepflegtes Stadtbild sind nur wenige Punkte, die man an dieser Stelle nennen könnte. 

Aber zurück zur Wanderung! Nach der kurzen Trinkpause im „Wohnzimmer“ ging es weiter steil und gerade den Berg hinauf. Eigentlich hatten wir uns für einen uns plausibleren und kürzeren Weg entschieden, der schnurstracks Richtung der Funkmasten am Gipfel führte. Uns riet man davon allerdings ab, da in diesem Waldstück anscheinend Menschen hausten, die andere Menschen umbringen würden. Von dieser ein bisschen unglaubwürdigen aber dennoch beunruhigenden Information  abgeschreckt entschieden wir uns, den Anweisungen des Guides Folge zu leisten und einen anderen Weg einzuschlagen. Zu dem Eigenentschluss kam es übrigens erst, nachdem wir uns eigentlich schon von dem Guide und seinem Gefolge verbschiedet hatten. Er hätte ein kleines Trinkgeld erhalten und wir wären abenteuerlustig in das von wilden Tieren und Menschen tötenden Waldbewohnern besiedeltes Waldstück hineinspaziert. Aber so ging es also mit dem Guide, vielen Kindern und dem älteren Jungen durch ein sichereres Waldstück weiter nach oben. Nach ungefähr 30 Minuten schweißtreibender Wanderung in die tiefen des Waldgebiets des Mount Jali trafen wir plötzlich auf etwas unerwartetes. Eine Straße! Zivilsation hier? Hätte keiner von uns erwartet. Auf der anderen Seite der Straße ging es relativ flach zu einer kleinen Siedlung, die sich später als der Jali-Sektor rausstellte. Neben einigen Häusern und hinter einer hügeligen Wiese, die sich als Fußballplatz herausstellte stand eine Kirche, aus der beruhigende Lobpreislieder der Gemeinde des Sektors schallten. Es breitete sich eine sehr entspannte Atmosphäre auf dem Hügel aus. Hinzu kam ein traumhafter Ausblick hinter dem Gotteshaus über weitere Hügel in der Ferne. Erinnerungen, die man sich gerne im Gedächtnis behält. 

Für uns war, auch wenn wir nicht ganz bis zur Spitze gelangten, hier der höchste Punkt erreicht, denn wir wollten uns noch mit Job nach seinem Fußballtraining unten im Tal in einer Bar treffen. Also ging es wieder den gleichen Weg samt Begleitung zurück. Erstaunlich war dabei, wie trittfest die teilweise noch unter zehnjährigen Kinder waren. Wir Freiwilligen mit unseren Sportschuhen beschwerten uns schon, dass wir doch die Wanderschuhe anziehen hätten sollen, denn so wirklich jeder von uns rutschte mindestens zweimal auf dem steilen Weg aus. Ich landete an einer Stelle auch plötzlich mal auf meinem Hosenboden. Aber die noch sehr jungen Kinder waren so extrem trittfest mit ihren alten und kaputten Flip-Flops, dass Sie uns innerlich einfach nur ausgelacht haben müssen. Leise schmunzeln kann man da nur, als man merkt, sich noch kurz vor der Abreise für eine Wanderung in den Alpen extra neue Wanderschuhe gekauft zu haben. Ein Wanderschuh ist eben nur so gut, wie sein Träger, musste ich an der Stelle selbstironisch feststellen. Das Geschick fand ich wirklich bewundernswert! 

Der weitere Abstieg verlief relativ unspektakulär und wir trafen Job im Tal in einer Bar mit seiner gesamten Fußballmannschaft. Gestärkt durch Cola und Bruchette (Ziegenfleischspieße) ging es auf einem Fahrradtaxi zum Bus zurück. Ein Fahrradtaxi ist sozusagen die billigere aber für den Fahrer anstrengendere Variante zu den Motos. Hinten auf dem Sattel ist eine Art gefederter Sitz befestigt und wenn man Glück hatte, konnte man sich auch noch an einer Stange mit den Händen festhalten.

 Nur mit einer kleinen Unterbrechung, da eine Speiche meines Fahrrads brach und der Fahrer sie schnell entfernen und wegwerfen musste, brachte er mich ansonsten heil zum Bus, mit dem wir wieder zurück nach Hause – nach Kimisagara fuhren!

Das war also unsere Wanderung zum Mount Jali!

Man kann sich nach langen Flaute an Beiträgen übrigens freuen! Ich habe mir vorgenommen, diese Woche jeden Tag einen Beitrag zu veröffentlichen, damit ihr wieder auf dem neuesten Stand seid. Mal sehen, wie das klappt! Morgen gehts dann wirklich mit Bildern um die Ausflüge nach Musanze und Ngarama!

Und Danke, dass ihr auch nach 3 Monaten meinen Blog immer noch lest 😉 ! Ich freue mich, wenn er euch gefällt! Wenn ihr noch mehr Geschichten und Erlebnisse von uns 4 Frewilligen des ASC hören wollt, könnt ihr auch mal in den Blogs von Martha oder Philipp vorbeischauen, sie würden sich freuen!

Grüße nach Hof!

Euer Moritz